Torbjörn Kartes für Retter-App, Reduzierung der Einsätze und Schutz der Einsatzkräfte

Blaulichtwoche: Unterwegs mit dem Rettungswagen – eine Bilanz

„Ich bin den Einsatzkräften sehr dankbar, dass ich sie begleiten und so einen tiefen Einblick in ihre Arbeit und die alltäglichen Probleme erhalten konnte“, erklärte Torbjörn Kartes, Bundestagsabgeordneter für Ludwigshafen, Frankenthal und den Rhein-Pfalz-Kreis, in einer Zwischenbilanz seiner „Blaulichtwoche“. 

Im Februar hatte er die Frankenthaler Polizei im nächtlichen Streifendienst und eine Rettungswagenschicht des Deutschen Roten Kreuzes Vorderpfalz begleitet. „Zunächst möchte ich einige konkrete Vorschläge für die Verbesserung der Situation bei den Rettungskräften nennen.“

Ständig zunehmende Zahl an Einsätzen

Die Besatzung des Rettungswagens, die Kartes begleitete, hatte ihm von einer ständig zunehmenden Zahl an Einsätzen berichtet. Oft müsse man aber vor Ort feststellen, dass es sich nicht um einen Notfall handle. Diese Eindrücke decken sich mit bundesweiten Erkenntnissen: In den vergangenen acht Jahren hat sich die Zahl der Rettungseinsätze fast verdoppelt. „Ein Grund dafür ist sicherlich, dass unsere Gesellschaft immer älter wird. Viele alte Menschen sind einsam und wenig mobil. Geht es ihnen gesundheitlich schlecht, wollen sie umgehend medizinische Hilfe, auch wenn es sich objektiv nicht um einen Notfall handelt“, sagte Kartes. Die Unionsfraktion im Bundestag plane darum eine Neustrukturierung der Notfallversorgung. Unter anderem soll die Notrufnummer 112 mit der Nummer des ärztlichen Notdienstes 116 117 zusammengelegt werden. „Diese Neustrukturierung wollen wir in dieser Wahlperiode erreichen“, so Kartes.

Retter-App kann die Lösung sein

Wegen der weiten Wege im ländlichen Raum und des dichten Verkehrs in der Stadt regt Kartes die Einführung einer „Retter-App“ an: „In Notfällen wie einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute. Darum werbe ich für die Einführung der App ‚Mobile Retter‘.“ Mit ihr können registrierte medizinische Fachkräfte, die sich bereiterklärt haben, in ihrer Freizeit erreichbar zu sein, zu Notfällen in ihrer Nachbarschaft gerufen werden. So können sie noch vor Eintreffen des Rettungswagens erste lebenserhaltende Maßnahmen einleiten. In Germersheim und in der Südlichen Weinstraße wird die App bereits genutzt.

„Die Erfahrungen der pfälzischen Nachbarn sind sehr gut. In der Regel sind die registrierten Retter mindestens fünf Minuten vor dem Rettungsdienst da. Eine Einführung der App kann ich mir besonders gut im Rhein-Pfalz-Kreis vorstellen, aber von großem Vorteil wäre sie auch in Ludwigshafen und Frankenthal, gerade während des Berufsverkehrs“, so Kartes. Voraussetzung für ein Gelingen des Projekts sei allerdings neben technischen Fragen, dass die mobilen Retter über die kommunale Verwaltung einen Versicherungsschutz erhalten. „Hier bleibe ich dran“, versprach Kartes. „Denn dieses Projekt kann Leben retten.“

Übergriffe gegen Rettungskräfte wirksam bekämpfen

Anlass für die „Blaulichtwoche“ waren jüngste Meldungen über tätliche Angriffe auf Rettungskräfte und die Behinderung ihrer Arbeit. Der Bundestag hat auf Initiative der Union einen neuen Straftatbestand zu tätlichen Angriffen auf Vollstreckungsbeamte und Hilfskräfte eingeführt und die Strafen für Gaffer oder wegen des Nichtbildens einer Rettungsgasse deutlich erhöht. „Mein Ziel war, zu sehen, ob diese Regelungen in der Praxis schon greifen. Ich musste feststellen: noch nicht. Deshalb ist es aus meiner Sicht besonders wichtig, dass die Gerichte die neuen Möglichkeiten auch anwenden und das Strafmaß ausschöpfen.“ Gerichte können beispielsweise Fahrverbote gegen Straftäter verhängen. Zudem müsse bei volljährigen Kriminellen grundsätzlich das Erwachsenenstrafrecht angewandt werden. „Es kann nicht sein, dass 18-, 19- und sogar 20-jährige Täter zum Großteil noch nach Jugendstrafrecht verurteilt werden“, erklärte Kartes. „Die Rettungskräfte können aber auch ihren Teil beitragen, indem sie jedes Vergehen konsequent zur Anzeige bringen.“

Eine weitere Zwischenbilanz wird Kartes auf der Grundlage seiner Eindrücke bei der Polizei ziehen. Seine „Blaulichtwoche“ setzt er im April mit einem Treffen mit der Bundespolizei zur Situation an den Bahnhöfen fort. Es folgt eine Schicht bei der Feuerwehr.

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